apod2017 thumbSo... nach ein paar Tagen Webseitenabstinenz melde ich mich mal wieder, nachdem Prof. Robert Nemiroff für die NASA eines meiner Bilder zum "Astronomic picture of the day" (APOD) vom 11. April 2017 ausgewählt hat. Seit dem Jahre 1995 wird täglich ein Bild mit Bezug zu Astronomie und Raumfahrt online geschalten. Im Laufe der Jahre erfuhr diese Einrichtung sowohl in der "Astroszene" aber auch darüber hinaus immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit. Für viele Sternfreunde und Laien gehört der tägliche Klick aufs APOD zum festen Tagesablauf, werden dort doch hauptsächlich ästhetische und schöne Aufnahmen aus dem Weltall ebenso gezeigt wie faszinierende Bilder wie zum Beispiel Raumsonden im Landeanflug auf einen Kometenkern. So besuchen mehrere Millionen Personen täglich die Webseite des APOD. Auf Facebook hat die entsprechende Seite fast eine viertel Million Likes. Lange Rede, kurzer Sinn, hier ist erst mal der Link zur entsprechenden APOD-Seite: Astronomic picture of the day vom 11. April 2017.

Auch wenn dadurch mein Lebensunterhalt nicht nachhaltig gesichert wird (ein finanzieller Nutzen ergibt sich daraus nicht direkt), so ist es doch eine schöne Auszeichnung, ein APOD gelandet zu haben. Schön sind die netten Reaktionen aus aller Welt: eMails, Gästebucheinträge, Facebookanfragen und vieles mehr erfreuen mich, dass das ausgewählte Bild Gefallen findet. Auch Kritiker gibt es, keine Frage. Und das soll ja auch so sein. Mir gefällt auch nicht jedes APOD. Über Geschmack lässt sich daher nicht streiten. Aber es gibt immer die "Fake-Rufer!", die jedes gemachte Bild als Photoshop-Produkt anprangern. Wirft man dann allerdings mit plausiblen Erklärungen um sich, so verstummen die Schreie dieser Trolle recht schnell wieder :).

Daher würde ich den Werdegang des Bildes kurz reflektieren: ich wohne mitten in Bad Mergentheim und am Abend des Sonntag, 2. April 2017 hatte ich nichts Besonderes vor. Auch meine Kamera hatte an diesem Tag nicht sonderlich viel zu tun. Ich bekam zu Hause gegen 19:00 Uhr MESZ die letzten Sonnenstrahlen mit, als diese tiefstehend in mein Zimmer leuchteten. Der Himmel war an diesem Abend zum größten Teil wolkenverhangen, daher rechnete ich nicht wirklich damit, dass die Sonne nochmal rauskommen würde. Mein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass die Sonne genau hinter einer markanten Baumreihe (ich glaube, es sind Birken) in gut einem Kilometer Entfernung untergehen würde. Da war für ein Foto viel Brennweite gefragt. Ich schraubte daher das EF 100 - 400 mm f/4.5 - f/5.6 L IS USM an die EOS 5D Mark IV und ging (barfuß) in den Garten über die nasse und kalte Wiese. Nach ein paar Metern Hin- und Herlaufen fand ich auf meiner Garageneinfahrt den besten Standort, um die untergehende Sonne hinter der Baumreihe einzufangen.

Normalerweise plane ich solche Aufnahmen im Vorfeld mithilfe der Webseite "The photographer's ephemiers". Hier kann man metergenau den erforderlichen Standort ermitteln, möchte man Sonne oder Mond hinter einem fotogenen Motiv auf- oder untergehen sehen. Ein Klick auf den Link zeigt die Situation, wie sie im vorliegenden Falle ausgesehen hatte: "The photographer's ephemeris" vom 02.04.2017 (ich hoffe, der Link funktioniert permanent).

Bei diesem Foto musste es allerdings sehr schnell gehen. Schon häufiger hatte ich diese Baumreihe als Motiv im Hinterkopf. Doch nur an wenigen Tagen im Jahr gehen Sonne oder Mond an dieser Stelle unter. Hinzu kommt, dass die 112 Meter Höhenunterschied auf die Entfernung von 1,2 Kilometern etwa 5 Grad Horizonthöhe ausmachen. Normalerweise leuchtet die Sonne in 5 Grad Horizonthöhe noch kräftig und sehr hell, so dass diese auf einem Foto als überbelichtete Scheibe ohne Oberflächendetails zu sehen ist, will man die Landschaft im Bild einigermaßen korrekt abgebildet haben. Doch an diesem Abend war es anders: durch die Wolkendecke und den Dunst am Horizont wurde das Licht der Sonne stark abgeschwächt. So konnte ich die Oberfläche der Sonne noch einigermaßen korrekt belichten, welche auch eine besonders schöne und große Sonnenfleckengruppe preisgibt.

Nach ein paar Testaufnahmen fand ich die optimalen Belichtungseinstellungen, die da lauteten: 1/8000 sec bei Blende 11 und 100 ISO. Eine kürzere Belichtungszeit lässt sich an der Kamera nicht einstellen, auch der ISO-Wert war bereits der niedrigste. Lediglich ein Schließen der Blende hätte für eine noch dunklere Sonnenscheibe sorgen können. Doch dies war nicht nötig, die Belichtungseinstellungen passten. Bereits nach ein paar Aufnahmen sah ich den Mann mit seinem Hund von links nach rechts laufen, er war also quasi auf dem Hinweg mit seinem Hund. Innerlich ärgerte ich mich ein klein wenig, er hätte sich ruhig noch zwei bis drei Minuten Zeit lassen können, damit die Sonne ein gutes Grad tiefer gestanden hätte. Dennoch machte ich eine Bilderserie von etwa zwanzig Aufnahmen. Da sah ich den Mann mit Hund bereits wieder von rechts heranlaufen, es war also nur ein kurzer Spaziergang. Dieses Mal kam er genau richtig: die Sonne schickte sich an, mit ihrem unteren Rand den Boden zu küssen. Auch die Fleckengruppe hat sich aus den Ästen des Baumes herausgearbeitet. Mann und Hund liefen zum richtigen Zeitpunkt unter der Sonnenscheibe hindurch. Ich hätte lediglich eine halbe Sekunde früher auf den Auslöser drücken sollen, damit der Hund nicht mit der Schnauze im Baumstamm kleben würde. Aber was solls... bereits auf dem Kameramonitor hatte ich gesehen, dass die Szene fotografisch ganz gut festgehalten werden konnte. Grinsend ging ich ins Haus zurück :).

An Bildbearbeitung hatte ich so gut wie nichts unternommen. Ich hellte lediglich etwas die dunklen Bildbereiche auf. Die Sonnenscheibe war perfekt belichtet. Ich musste das Bild lediglich sehr stark beschneiden, so dass vom anfänglich 6.700 Pixel breiten Bild nur noch etwa 2.300 Pixel übrig waren. Ich habe das Bild auf meine Facebook-Chronik geladen und bereits dort fand es großen Anklang. Ich entschloss mich daher, es bei den Herren Nemiroff und Bonell fürs APOD einzureichen und schon kurz darauf später meldete sich Robert Nemiroff und wollte ein paar zusätzliche Details wissen und teilte mit, dass er das Bild für die kommenden Tage als APOD schalten würde.

Am 11. April 2017 wurde es dann online geschalten. In den Tagen danach wurde das Bild auf Facebook mehr als 3.000 Mal geliked und 800 Mal geteilt. 6.000 Klicks auf meine Homepage innerhalb von zwei Tagen. Auch auf der offiziellen "discussion page" fand es Anklang. Viele wollten nähere Angaben zum gemachten Foto-Setup wissen, Belichtungsdaten, Werdegang etc. Daher entschied ich mich unter anderem, diesen Text hier zu schreiben, wenn auch nur auf Deutsch. Besonders schön sind u. a. solche Feedbacks:

"Now that is a real one off fantastic image." - Bob Bowers, Facebook
"maravillosa y mágica fotografía" - Maite Spica, Facebook
"tres joli cliche, photo magnifique." - Jean-Paul Langevin, Facebook
"Today’s APOD is a beauty! My complements to Jens Hackmann." - Mactavish, Asterisk forum
"Gorgeous shot! Kudos to the photographer for scraping the original plan for this one. And glad the man decided to take this path that day." - nix, Asterisk forum
"This picture should be captioned : A German Shepherd steals the show."  - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Asterisk forum
"Als alter Mergentheimer habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich heute das APOD angeschaut habe. Super Bild, toller Erfolg!" - Uli aus Reichelsheim

Ich danke für das nette Feedback, aber auch den Kritikern, die den Werdegang des Bildes kritisch hinterfragten. So... und nun mal sehen, wann ich mein zwölftes APOD schalten kann :).